Alles neu, macht der Mai - heißt es zumindest. Und auch in der Politik hat sich der ein oder andere neu erfunden. Markus Söder, unser bayerischer Lebensminister, mutiert vom früheren Wadlbeißer zum Ökoaktivisten, weil er sich davon schönere Bilder und bessere Publicity verspricht, Horst Seehofer, weil er sich ohnehin permanent neu erfindet, Angela Merkel, die von der kühlen Physikerin zur kühlen Zweiflerin in Sachen Atomkraft wurde und sich davon neue Wählerschichten verspricht, nachdem die alten alle weglaufen.
Tja, und auch die FDP hat sich neu erfunden. Nicht, dass es neue Gesichter sind, sie alle haben nur die lustig die Posten getauscht. Brüderle nicht mehr Wirtschaftsminister, aber dafür Fraktionsvorsitzender, Westerwelle nicht mehr Parteivorsitzender, aber immer noch Außenminister, Rößler nicht mehr Gesundheits-, sondern Wirtschaftsminister… aber ob der Niedergang der FDP wirklich daran lag, dass Personen an den falschen Stellen saßen? Ist es nicht vielmehr so, dass die FDP ausschließlich und ohne Hemmungen Klientelpolitik betrieben hat und gar nicht deutlich machen konnte, wofür sie eigentlich gebraucht wird? Mehrwertsteuersenkungen für die Hoteliers, Laufzeitverlängerungen für die großen Stromkonzerne, Annahme von Parteispenden in unerhörter Höhe und von Firmen, die dann politisch begünstigt wurden.
Na, das wird sich aber doch nun unter Rößler ändern. Eine erste Gelegenheit gab es ja schon. Die EU hat sinnvollerweise vorgeschrieben, dass nun auch bei Autos die Ökobilanz deutlich gemacht werden muss, ähnlich, wie wir das schon von Kühlschränken oder anderen Elektrogeräten kennen. A ist gut, alles andere böse. Eine schöne Idee, könnte man als Käufer doch auf einen Blick erkennen, ob ein Fahrzeug die Umwelt sehr stark oder eher weniger stark schädigt. Die IDee ist sogar so gut, dass alle anderen europäischen Länder sie vorbildlich umsetzen - nur Rößler hat sich lieber mal mit dem Verband der deutschen Automobilindustrie besprochen. Und da die deutschen Autobauer nach wie vor schwere und PS-starke Modelle bevorzugen, hat man sich gleich mal darauf verständigt, dass in Deutschland nicht der eigentliche CO2-Verbrauch entscheidend ist, sondern mit dem Gewicht des Fahrzeugs verrechnet wird. Ein 3-Liter-Auto wie der Renault Twingo, der wenig wiegt, schneidet damit schlechter ab als so mancher BMW oder Mercedes mit einem Verbrauch von 10 und mehr Litern. Oder auch schlechter als ein Leopard-II-Kampfpanzer, der auf 100 km 200 Liter Diesel benötigt. Aber für die FDP ist nach wie vor Gesetz, was die Wirtschaft vorschreibt - und deshalb wird nicht nachgedacht, sondern ins Gesetz geschrieben, was die Industrie einflüstert.
So neu ist der Mai also gar nicht…