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25.3.2011 von Stefan Grabrucker.
Wissen Sie noch, weshalb es in Ungarn vor einigen Jahren zu regelrechten Unruhen und einer politischen Krise gekommen ist? Der damalige Ministerpräsident hat in einem Hintergrundgespräch mit Journalisten zugegeben, dass die ungarische Regierung kaum etwas anderes getan habe, als die Bevölkerung zu belügen und zu betrügen, um möglichst gut dazustehen. Nun ja, die Regierung wurde kurz darauf abgewählt und heute sind Rechtspopulisten und Schlimmeres an der Macht…
Gut, dass so etwas nicht in einer stabilen Demokratie wie Deutschland passieren kann. Meint man. Aber zum Glück haben wir Werner Schnappauf, früher mal bayerischer Umweltminister und bis heute Geschäftsführer des Verbands der deutschen Industrie, im Moment aber arbeitslos, weil er als Bauernopfer herhalten musste. Schnappi jedenfalls hat als korrekter Mensch ein Protokoll über eine Sitzung der Spitzen der deutschen Industrie mit Wirtschaftsminister Brüderle anfertigen lassen und es munter und ohne nachzudenken verschickt. Und siehe da, was sagt unser Brüderle in aller Offenherzigkeit: Das Moratorium für die Atomkraftwerke sei irrational und nur Wahlkampftatik. Immerhin ehrlich, oder nicht? Belogen und betrogen…
Lustigerweise hat er all das natürlich nie so gesagt, da irrt sich der Protokollant und all die, die die Aussage bestätigen und dabei waren. Ist aber auch blöd, nur wenige Tage vor den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Fast hätte es die Bundesregierung geschafft, sich über diesen heiklen Termin zu retten. Nun aber blüht ihr ein Schicksal wie der ungarischen Regierung… zuerst der Verlust der Macht in Baden-Württemberg, dann vielleicht schon bald im Bund, mit einer FDP, die kaum die 5%-Hürde schaffen dürfte. Doch bevor das passiert, droht Merkel noch der Verlust von Brüderle. Denn eines ist klar: dieser Mensch muss zurücktreten. Nicht, weil er als einer der wenigen die Wahrheit gesagt hat, sondern weil zumindest seiner Ansicht nach die Bundesregierung die Bevölkerung belügt und betrügt. Wir aber sind das Volk, wir sind der Souverän und wir sollten es nicht dulden, dass einer unserer Angestellten unehrlich zu uns ist. Denn nichts anderes sind die Mitglieder der Bundesregierung, Angestellte des deutschen Volkes. Der Chef sind wir, Sie, ich, wir alle. Schön, nicht?
Und ganz ehrlich, wenn Brüderle schon nicht zurücktritt, dann sollte Merkel ihn entlassen. Nicht, weil er die Trickersei mitmacht, sondern wegen ausgewiesener Dummheit. Wie dämlich kann man denn sein? Können wir es uns wirklich leisten, einen solchen Dampfplauderer zum Bundeswirtschaftsminister zu haben? Gut, das sind wir gewohnt, aber trotzdem…
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5.3.2011 von Stefan Grabrucker.
Auch wenn die Überschrift es vielleicht vermuten lässt, ich schreibe heute nicht über meinen Lieblings-EX-Minister Guttenberg, da wurde in den letzten Tagen von zu vielen Leuten zu viel gesagt. Vor allem von solchen, die sich jetzt auf facebook verbünden, um den Plagiator zurückzuholen, bis gestern aber noch nicht einmal wussten, welches Amt der gute Mann überhaupt ausübt. Aber egal, Demokratie ist die Herrschaft des Volkes, da gehören nun einmal alle dazu, unabhängig von ihrer geistigen Beweglichkeit…
Meine heutige Null ist ein ganz anderer, wenngleich auch er der CSU angehört. Hans-Peter Friedrich. Gut, Sie werden den Mann nicht kennen, er war bisher Landesgruppenvorsitzender der CSU-Fraktion im Bundestag und ist jetzt, hoppla, Bundesinnenminister. Okay, er ist nicht erste Wahl, selbst die CSU fragte vorher bei Gott und der Welt an, aber letztlich wurde Friedrich neuer Innenminister - schon allein, weil niemand sonst nach Berlin wollte. Tja, wird er sich gedacht haben, der gute Friedrich, Innenminister, CSU, da muss es krachen, das muss nach Law und Order aussehen, nach Stärke und überhaupt. Was tun? Natürlich, eine Minderheit eignet sich immer mal gut, um Stärke zu beweisen und dem Populismus zu frönen. Also, gleich mal in der ersten Rede die Angst vor dem Islam schüren - denn, so, Friedrich, islamische Bürger gehören zwar zu Deutschland, nie und nimmer aber der Islam. Eine lustige Argumentation, denn Muslime gehören zwar zu Deutschland, deren Religion aber nicht, d.h. wir trennen nun offenbar zwischen dem Alltagsmenschen und dem religiösen Menschen. Was schwer werden dürfte, wenn der Alltagsmensch plötzlich religöse Ansichten äußert und der religiöse Mensch auf einmal im Alltag lebt. Aber egal, Friedrich hat gleich einmal einen Pflock eingeschlagen - immerhin ist er das der CSU, dem rechten Rand der Gesellschaft und seiner Position als Vorsitzender des Integrationsrates schuldig. Integration hat in der CSU schließlich immer schon so funktioniert, dass man über statt mit den Migranten spricht und Vorbehalte und Ängste schürt.
Historisch sei eine Rolle des Islams für Deutschland nicht zu belegen, so der neue Bundesinnenminister. Gut, das mag daran liegen, dass der Islam älter als Deutschland ist, aber wenn man genau hinsieht, stolpert man plötzlich doch über ein Dinge. Über die europäische Kultur zum Beispiel, die sich auf die griechischen Philosophen stützt. Und woher haben wir das Wissen über die griechische Philosophie? Aus Arabien, denn die Muslime haben die Schriften gesammelt, während germanische Völker damit ihr Wohnzimmer geheizt haben. Der Einfluss der Muslime in Spanien für das abendländische Denken ist natürlich zu vernachlässigen, wer braucht schon Anatomie und Medizin. Die Zeit der Kreuzzüge, immerhin zweihundert Jahre der gegenseitigen Beeinflussung, der Übernahme von Denkvorstellungen, Sitten und Traditionen, weggewischt. Die persönliche Leistung der Gastarbeiter in der Bundesrepublik, die das Wirtschaftswunder am Laufen hielten, egal, das waren Alltagsmuslime und keine religiösen. Und was solls, arabische Zahlen, pillepalle. Wobei, Moment, hier schließt sich der Kreis: Die Null haben uns die arabischen Muslime beschert - und gerade Herr Friedrich verneint deren Einfluss?
Aber er hat schon Recht: Leichter ist es natürlich, auszugrenzen, Vorbehalte zu schüren, mit Ängsten zu arbeiten. Offenheit, Bereitschaft zu Lernen und Veränderungswille kosten Kraft - und die hat ein Bundesinnenminister nicht, schließlich muss er sich um die Sicherheit in Deutschland kümmern. Und ein friedliches, gemeinschaftliches Zusammenleben hat doch mit Sicherheit nichts zu tun, oder?
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