Liebes Christkind,
nur noch wenige Tage bis Weihnachten… und ich war das ganze Jahr über sehr brav, so dass ich hoffe, dass Du mich beschenken wirst. Hm, was ich mir wünsche? Eigentlich ist das ganz einfach: Du musst mir nur die Sorgen um unsere Demokratie nehmen.
Warum ich mich sorge? Nun, immer weniger Menschen sind bereit, sich einzubringen, ziehen sich zurück oder lehnen das System aus Enttäuschung ab und gehen Rattenfängern von Links und Rechts auf den Leim. Ich wünsche mir nur, dass Du unsere Demokratie wieder attraktiv machst. Denn das ist sie für viele nicht mehr, die Zeiten haben sich geändert. Vorbei die Jahre, in denen es den Bürgerinnen und Bürgern reichte, bloßes Stimmvieh zu sein und alle paar Jahre ihr Kreuzchen zu machen. In Zeiten des Internets haben sich auch die Menschen verändert. Wir wollen bei Entscheidungen mitreden und mitbestimmen können. Dafür müssen wir neue Formen der Beteiligung suchen, mehr Transparenz und Wissen um die Vorgänge und Entscheidungsabläufe, mehr direkte Einflussmöglichkeiten durch Schlichtungen, Volksabstimmungen und Plebiszite, mehr Gemeinsinn statt abgehobener Mauscheleien in Hinterzimmern. Wir werden also die Ausformung unseres demokratischen Systems ändern müssen: Übertragungen von Sitzungen im Internet, Bürgerbeteiligung in allen Phasen, Volksbefragungen bei wichtigen Entscheidungen, z.B. bei Fußgängerzonen, Umfahrungen oder Schienenprojekten.
Deshalb musst Du, liebes Christkind, den Menschen mehr Mut und Offenheit schenken. Damit wir unsere Rechte wahrnehmen können, damit wir bereit sind, uns einzumischen und aktiv zu werden. Und Du musst den Politikern mehr Courage schenken. Politiker müssen bereit sein, visionär zu denken, müssen offen für neue Entwicklungen sein und sich als Diener des Volkes verstehen - von dem sind sie nämlich gewählt und diesem sind sie Rechenschaft schuldig. Nicht nur alle paar Jahre bei Wahlen, sondern permanent. Wir müssen wieder mehr Politiker finden, die sich als Macher und Vordenker, als Avantgarde verstehen, und weniger Verwaltungsbeamte sein wollen, die sich auf Gesetze und Richtlinien berufen - teilweise ohne zu ahnen, dass sie diejenigen sind, die diese Vorschriften ändern könnten. Es darf nicht mehr passieren, dass Politiker bedauernd äußern, dass das Isental durch die A94 zerstört werden muss, weil die Gerichte nun einmal so entschieden haben. Nein, die Politik entscheidet, keine Gerichte, keine Gemeindetage oder Beamte. Nicht alles, was auf rechtsstaatlichem Wege beschlossen wurde, muss auch gut und vernünftig sein.
Politiker brauchen Mut und die Gewissheit, auf der richtigen Seite zu stehen. Auch, wenn dies vielleicht nicht dem Zeitgeist entspricht. Politiker müssen auch bereit sein, z.B. einen Haushalt abzulehnen, wenn der Komfort von 60 Kreisräten mehr wiegt als die Gesundheit und Zufriedenheit von 1000 Kindern und Jugendlichen, wie dies im Landkreis Erding der Fall zu sein scheint.
Liebes Christkind, bitte, schenke den Menschen Einsicht. Denn unsere Demokratie ist zu wertvoll, als dass man sie aus Bequemlichkeit opfern dürfte, sie ist zu wertvoll, als dass man zusehen dürfte, wie der Gemeinsinn der Gesellschaft immer weiter zerstört wird, da die Reichen immer reicher werden, während andere hungern. Es darf im anbrechenden neuen Jahr nicht mehr passieren, dass Kindern auch die einfachsten Wünsche nicht erfüllt werden können, dass Menschen sozial isoliert werden, dass ganze Völker in den Ländern der südlichen Erdhalbkugel bitterste Not leiden, damit einige wenige in Luxus und Dekadenz leben können. Bitte, gib uns allen Einsicht, damit wir die Probleme der Welt erkennen - und bereit sind, etwas zu ändern. Und zwar wirklich zu ändern, Visionen zu entwickeln und Utopien mit Leben zu füllen.
Wir brauchen Menschen, die zwar das System der Demokratie lieben, die sich aber nicht als Teil des politischen Systems Deutschlands begreifen. Menschen, die Veränderungen wollen, die bereit sind, neue Wege zu gehen und anders zu denken - gegen alle Widerstände.
Liebes Christkind, eigentlich hatte ich nur den einen Wunsch: Nimm mir die Sorge um die Demokratie. Aber es ist nicht “nur” ein Wunsch, es ist eine Herausforderung größten Ausmaßes. Ein Geschenk wird da wohl nicht reichen, wir alle müssen uns anstrengen und einbringen, damit wir gemeinsam unser Ziel erreichen können.
8.4.2011 bei 12:27
Kommunismus und Nationalsozialismus in einen Topf werfen (Rattenfänger von links und rechts), Stalinismus mit Kommunismus vermischen, Kommunismus als demokratiefeindlich abkanzeln (Sagen Kommunisten plötzlich, dass Wahlen Quatsch sind?). Sagt Ihnen denn Räterepublik nichts? Rosa Luxemburg? Steht Sie auf einem Level, wie nationalistische Agitatoren und faschistische Diktatoren, wie Mussolini und Konsorten?
Ich bin ein Freund von Demokratie, aber nicht von überflüssigem Parlamentarismus und überbordernder Bürokratieherrschaft, die lieber ihre Pfründe sichert, als sich um ALLE Menschen zu kümmern und auch DEREN Meinung zu vertreten.
Sehen Sie über Ihren Tellerrand hinaus. Manchmal ist das Vorhandene einfach noch nicht gut genug…