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13.12.2010 von Stefan Grabrucker.
Die Clintons in Amerika haben es geschafft, er, Ex-Präsident, sie, derzeitige Außenministerin. Gut, im Moment reist sie dank Wikileaks lediglich um die Welt, um sich zu entschuldigen, aber letztlich haben die beiden es geschafft. Als Team sind sie aufgestiegen, haben sich den Rücken frei gehalten, sich unterstützt und standen im Grunde genommen immer nur gemeinsam zur Wahl. Kein Wunder, dass Hillary selbst Monica Lewinskys eheähnliche Dienste ertragen hatte.
Dieser Tage könnte man den Eindruck gewinnen, dass sich da jemand sehr genau angesehen hat, wie man es schaffen kann. Wie man bis an die Spitze gelangen kann. Denn in Zeiten der Medienflut, der Oberflächlichkeit, des Politainments und der Amerikanisierung reicht es natürlich nicht mehr, nur vernünftige Politik zu machen und sich für die Interessen der Bürgerinnen und Bürger einzusetzen. Ganz im Gegenteil, im Vorteil ist der, der geschliffen formulieren und dabei verbergen kann, dass er gar nichts zu sagen hat, im Vorteil ist derjenige, der gut aussieht, einen Stammbaum mitbringt und seit Generationen Teil des Establishments ist - wenngleich es sich natürlich gut macht, auch mal gegen die da oben zu stänkern und in jeder Rede zu betonen, man sei nicht einer von denen im Raumschiff Berlin. Dieser jemand, der seit Monaten nur mehr als Blaupause der Clintons auftritt ist niemand anderer als der Messias der deutschen Politik, Freiherr von und zu Guttenberg. Allein dieser Name… herrlich.
Guttenberg hölt sich für den besseren Kanzler und er sonnt sich im Glanze der Umfragen, nach außen hin natürlich immer ganz bescheiden. Aber seine persönliche Mission Kanzleramt liegt im Plan. Alle Vorwürfe im Zuge der Kunduz-Affäre hat er locker an sich abperlen lassen, selbst die Unklarheiten bezüglich der Entlassung des höchsten deutschen Militärs scheinen niemanden zu interessieren. Könnte solch ein fescher Mann denn wirklich das Parlament belügen? Die Reform der Bundeswehr hat er gegen alle Widerstände durchgezogen, schließlich muss man sich beweisen und braucht ein großes Projekt. Da ist es schon fast egal, dass Guttenberg den Umbau anfangs mit dem notwendigen Sparkurs begründet hat und nun, nach dem Beschluss zur Aussetzung des Wehrpflicht, mehr Geld fordert, um den Umbau auch gestalten zu können. Seine Besuche in den USA - laut Wikileads ist er ja ein großer Freund der US-Regierung -, seine Truppenbesuche in Afghanistan und anderswo, immer macht er eine gute Figur und immer ist zufällig ein ganzer Trupp von Presse- und Leibfotografen anwesend, um den Herrn Minister in Pose zu setzen. Auch heute wieder, in Afghanistan, wo Guttenberg die deutschen Soldaten besucht.
Wobei, die Objektive der Fotografen haben heute ein anderes Ziel gefunden: Stephanie, seine hübsche Frau, eine ehemalige Bismarck. Na, wenn das nicht passt. Ja, sie ist mit dabei in Afghanistan. Wieder im Blitzlichtgewitter, nachdem ihr Ausflug zu RTL2 eher in die Hosen gegangen ist. Aber was solls, Aufmerksamkeit, Publicity, Bekanntheit, darauf kommt es an - selbst wenn man sich zum Kampf gegen Sexismus und Pornographie mit RTL2 ins Bett kuscheln muss. Was Stephanie in Afghanistan macht? Hm, die deutschen Truppen beglücken, gut aussehen, wer weiß. Einen inhaltlichen oder fachlichen Grund für ihre Anwesenheit gibt es nicht - aber einen politischen. Die Guttenbergs treten im Team an, der Paarlauf für das Kanzleramt ist gestartet. Und entscheidend am Besuch im Kriegsgebiet ist nicht, was dort erreicht werden kann, entscheidend ist, welche Bilder in Deutschland zu sehen sein werden. Und die Presse wird wieder darauf anspringen…
Aber mal sehen, Hillary Clinton wollte ja eigentlich auch mal Präsidentin werden…
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