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5.11.2010 von Stefan Grabrucker.
Ja, sie sind wieder da: die Masters of the Universe. Hm, ich sehe ihre Verwunderung. Was meint er nun damit schon wieder? Sicher nicht die gruseligen Monster der 80er Jahre, bei denen das Gute unter He-Man gegen das Böse, Skeleton und seine Schergen, ankämpfte. Im Gegensatz zu den heutigen Herren des Universums waren die damaligen Actionfiguren völlig harmlos.
Nein, diejenigen, die sich bis 2008 tatsächlich selbst als Masters of the Universe bezeichneten, waren die Finanzjongleure und Banker, die weltweit agierten, investierten - und zerstörten. Diejenigen, die die Weltwirtschaft in den letzten Jahren an den Rand des Abgrunds geführt hatten und derentwegen wir Steuerzahlen Milliarden an Bürgschaften, Rettungsschirmen und direkten Hilfen locker machen mussten. Schließlich darf eine Großbank nicht pleite gehen - das Wort der Systemrelevanz wurde damals erfunden. Tja, die Masters of the Universe waren wenigstens für kurze Zeit sehr sehr still, fast schon reumütig zeigten sie sich der Öffentlichkeit, wenngleich sie trotzdem Bonuszahlungen in Millionenhöhe einklagten und wenig Unrechtsbewusstsein erkennen ließen. Aber für Hochmut war nicht mehr der richtige Moment.
Ganz anders heute. Zwar stöhnen Steuerzahler und Staaten unter den Lasten der Finanzkrise, zwar kämpfen Staaten wie Griechenland, Italien, Portugal, Spanien und Irland ums Überleben und die Bevölkerung dort steht vor harten Einschnitten, zwar wachsen der Schuldenberg und die Zahl der Arbeitslosen in den USA immer weiter, zwar öffnet sich die soziale Schere mehr und mehr und wird der soziale Friede gefährdet, aber die Finanzakrobaten haben wieder Oberwasser. Die Rahmenbedingungen für die Banken sind schließlich auch ideal: die US-Notenbank pumpt Tag für Tag Milliarden in den Markt und erzeugt so einen künstlichen Boom am Aktienmarkt, die US- und mittlerweile auch die Europäische Zentralbank kaufen wertlose Staatsanleihen auf, um den Ruin von Ländern zu vermeiden und nehmen so auch Druck von den Gläubigerbanken und - ganz wichtig - in einigen Ländern, vor allem in Deutschland, scheint die Konjunktur wieder angesprungen zu sein. Die Wirtschaft brummt, die Steuereinnahmen sprudeln, die Arbeitslosigkeit sinkt. Zumindest momentan. Warum also etwas ändern, es läuft doch, oder nicht?
Dieser Auffassung ist zumindest Josef Ackermann, seines Zeichens Chef der Deutschen Bank - der systemrelevantesten Bank überhaupt - und Sprecher der internationalen Verienigung der Banken. Vor einigen Tagen warnte er die G20-Staaten davor, schärfere Regeln für den Finanzsektor zu beschließen. Seine Begründung: Strengere Kontrollen und Auflagen würden das zarte Pflänzchend es Aufschwungs zerstören und Arbeitsplätze vernichten. Herrlich. Einer der Männer, der maßgeblich verantwortlich für den Casinokapitalismus der letzten Jahre ist, der uns all die Probleme erst eingebrockt hat, warnt nun davor, seiner Branche Fesseln anzulegen. Sonst ginge es der Wirtschaft schlecht. Hm, warum ist 2008 und 2009 die Weltwirtschaft gleich nochmal eingebrochen? Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, es lag nicht an schärferen Regeln für den Bankensektor. Aber vermutlich irre ich mich da, ich bin ja schließlich kein Master of the Universe…
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