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29.11.2009 von Stefan Grabrucker.
Haben Sie sich eigentlich schon einmal auf der Straße mit Menschen, vor allem CSU-Politikern, über den Beitritt der Türkei zur EU oder über den Islam unterhalten? Nein, seien Sie froh, das Niveau vieler Gespräche ist leider kaum zu unterbieten. Ein Vorwurf, der aber immer genannt wird, ist der, dass die Türkei grundlegende Menschenrechte missachtet, sich nicht an den christlich-abendländischen Werten Europas orientiert und im eigenen Land noch nicht einmal christliche Kirchen dulde. Natürlich, viele dieser Vorwürfe sind richtig, leider.
Aber haben wir eigentlich das Recht, mit dem Finger auf andere zu deuten? Nehmen wir die Verpflichtungen im Grundrechtskatalog des Grundsetzes oder in der Charta der Menschenrechte eigentlich ernst? Und - das ist die entscheidende Frage - lassen wir diese Recht nur für uns gelten oder anerkennen wir, dass dies universelle Werte sind, Werte, die für jeden Menschen gelten?
Glaubt man ersten Hochrechnungen des Schweizer Fernsehens, dann haben sich unsere Nachbarn heute mehrheitlich für ein Verbot des Baus von Minaretten ausgesprochen. Und ich bin mir sicher, dass diese Entscheidung auch hierzulande Zustimmung finden wird. Nicht zuletzt mit der herrlichen Begründung, die Muslime sollten doch zuerst mal zulassen, dass in ihren Ländern christliche Kirchen gebaut werden dürfen. Was übrigens in vielen muslimischen Ländern der Fall ist, aber das nur nebenbei. Entscheidend ist, dass wir offensichtlich mit zweierlei Maß messen. Wir tragen die Menschenrechte wie eine Monstranz vor uns her - gestehen sie aber anderen nicht zu, wenn es uns nicht passt. Die Diskussion um den Neubau einer Moschee in München-Sendling haben das deutlich gezeigt. Da wird mit Ängsten hantiert, da werden Unwahrheiten in die Welt gesetzt und die Stimmen der Vernunft, z.B. der benachbarten evangelischen und katholischen Gemeinde, werde nicht mehr gehört.
Menschenrechte sind keine Einbahnstraße. Wenn wir in Europa von anderen Nationen fordern, diese zu achten - zu Recht! - dann müssen wir selbst ebendiese Werte leben. Toleranz, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit - kurz die Achtung der Würde des Menschen - müssen mehr als Schlagworte sein. Nur wenn wir Vorbild sind, bestärken wir Menschen weltweit, die ihr Leben einsetzen, um Freiheit zu erkämpfen. Eine Entscheidung gegen die Religionsfreiheit der Muslime in einem europäischen Land ist ein falsches Signal - das sollten all jene beachten, die nun fordern werden, auch in Deutschland Minarette zu verbieten. Und die sich dann darüber aufregen, dass in manchen arabischen Ländern keine Kirchen gebaut werden dürfen.
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