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31.10.2009 von Stefan Grabrucker.
“Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen…”. Dieser Spruch ist mir nicht so sehr in Erinnerung, weil er wohl wahr ist, sondern vor allem, weil meine Oma in der Küche ein Bild einer Postkutsche und dieser Redewendung hängen hatte. Offensichtlich weiß aber nicht nur ich, dass Reisen bedeutet, viel zu erleben und endlich einmal dem Trott des Alltags entfliehen zu können.
Unsere Politiker scheinen sich jedenfalls diese Aussage zum Vorbild genommen zu haben. Knapp elf Millionen Reisekosten fielen im Jahr 2008 für unsere Bundestagsabgeordneten an, das sind etwa 17.000 Euro pro Abgeordneten. Da müssten wir eigentlich sehr, sehr gebildete Parlamentarier haben… Nicht, dass Kontakte zu unseren europäischen oder globalen Freunden und Partnern nicht wichtig wären, ganz im Gegenteil. Wer sich kennt, baut Ängste und Vorurteile ab. Und sicher ist es manchmal sinnvoll, die Realität direkt zu erleben - obwohl trotzdem keine Anstrengungen unternommen wurden, das Abschmelzen der Polkappen zu stoppen oder das ungerechte Wirtschaftssystem zu ändern, um den afrikanischen Ländern eine Chance zu geben.
Aber - Reisen für 11 Millionen Euro pro Jahr? Kann das alles sinnvoll sein? Warum muss man zum Beispiel nach Jamaica reisen, um die Lebens- und Arbeitsbedingungen des ländlichen Raums zu studieren? Hätte es da nicht auch der Bayerische Wald getan, liebe Frau Blank (CSU), liebe Frau Gruß (FDP) und lieber Herr Hofreiter (Grüne)? Warum muss der Tourismusausschuss des Bundestags auf die Malediven fliegen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass man die dortigen Tourismuskonzepte auf Deutschland anwenden kann. Oder können Sie sich vorstellen, an der Ostsee unter Palmen zu liegen, den Cocktail in der Hand und eine hübsche Asiatin an der Seite? Lustig auch, dass ebendieser Tourismusausschuss auch in Neuseeland war - um zu erkennen, dass man Landwirtschaft auch ohne Subventionen betreiben kann. Der Landwirtschaftsausschuss stellte genau dieses vier Wochen später noch einmal fest. Neuseeland scheint eine Reise wert zu sein…
Die Beispiele sind unendlich - und zeigen, mit welcher Selbstverständlichkeit, welcher Selbstherrlichkeit und Selbstverliebtheit unsere Volksvertreter mittlerweile unser Geld verfrühstücken. Anstatt jede Ausgabe zwei Mal zu hinterfragen, wird die Chance beim Schopf ergriffen. Hauptsache weg. Vorbilder verhalten sich anders…
Übrigens: Wenn Sie noch nicht wissen, wohin Sie 2010 in Urlaub fahren sollen - Nepal scheint ein Geheimtipp zu sein. Gleich drei Reisegruppen des Bundestags studierten dort u.a., wie der Förderalismus funktioniert. Gibt es hier ja nicht. Oh, Nepal ist Ihnen zu teuer? Stimmt, Sie müssen Ihren Urlaub ja selbst bezahlen…
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