Archive für September 2009

Sie schafft es nicht…

Seit wie vielen Wochen und Monaten wird jetzt eigentlich schon diskutiert, Managergehälter zu begrenzen, umstrittene Boni-Zahlungen einzubehalten oder das System der Vergütung des Managements zu ändern? Man kann sich kaum noch an die Anfänge der Debatte erinnern und gäbe es nicht immer wieder Vorzeigemanager wie den ausgeschiedenen Arcandor-Chef, das Problem wäre längst hinter Schweinegrippe, Landtagswahlen und Busenplakaten verschwunden.

15 Millionen Abfindung für den Arcandor-Chef, für sechs Monate Arbeit. Schade, dass die damals nicht mich gefragt haben; das Unternehmen in die Insolvenz zu führen, wäre wohl auch mir gelungen. Ziemlich sicher sogar. Sollten solche Abfindungen und Vergütungsregeln nicht eigentlich verhindert werden? Oder habe ich all die Aussagen von Merkel, Seehofer, Steinmeier und Müntefering falsch in Erinnerung?

Bis jetzt ist nichts passiert - und vermutlich wird auch kaum etwas geschehen. Ein paar kleine Einschränkungen, die niemanden weh tun, um die Öffentlichkeit zu beruhigen. Aber mehr? Warum agiert die Politik eigentlich nicht, warum wird nicht gehandelt, sondern nur diskutiert? Nun, die Antwort ist recht einfach. Oh nein, es liegt nicht daran, dass Merkel mit dem Deutsche Bank Chef Ackermann so gut befreundet ist, dass sie ihm sogar eine nette kleine Sause auf unsere Kosten spendiert. Das würde unsere Kanzlerin letztlich wohl nicht stören. Nein, die Parteien sind auf das Wohlwollen der Unternehmen angewiesen. Warum? CDU, CSU, SPD, FDP und Grüne brauchen die Wirtschaft, um sich ihre Geschäftsstellen, ihre Mitarbeiter und vor allem ihren Wahlkampf leisten zu können. Circa 60 Millionen Euro wird der Bundestagswahlkampf der Bundestagsparteien wohl verschlingen, Geld, dass man ja irgendwo her bekommen muss. Und zum Glück gibt es da ja die Wirtschaft, die großzügig spendet. Der Allianzkonzern, der an alle oben genannten Parteien 50.000 Euro pro Jahr ausschüttet, die Deutsche Bank, die mehrere hundertausend Euro jährlich springen lässt, und so weiter und so weiter… Die Politik kann es sich gar nicht leisten, es sich mit diesen Unternehmen und Unternehmern zu verscherzen. Die Geldquelle darf nicht versiegen.

Das größte Problem ist, dass Politik in Deutschland abhängig ist. Dass freie und unabhängige Entscheidungen nicht mehr getroffen werden können. Allein die ÖDP verweigert die Annahme von Spenden von Firmen und Konzernen. Deshalb wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis der Staat, bis die Politik der Wirtschaft wieder klare Regeln gibt.