Archive für 26.8.2008

Deus lo vult

Deus lo vult - Gott will es. Dies war der mittellateinische Kampfruf, der 1095 in Clermont aus tausenden Kehlen erklang, nachdem Papst Urban II. dort zum Kreuzzug zur Befreiung Jerusalems aufgerufen hatte. 1099 eroberten die christlichen Heere nach entbehrungsreichen Jahren die Heilige Stadt und richteten dort ein Blutbad unter Juden und Muslimen an.

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Nun, 2008, schallt wieder ein Ruf durch die bayerischen Lande. Huber lo vult - der Erwin will es so. Denn gestern rief der CSU-Chef zum Kreuzzug gegen die Linkspartei auf. Lieber Erwin Huber, ein Kreuzzug? Ich weiß, ich nehme es da manchmal zu genau. Aber ein Kreuzzug? Ich will jetzt nicht protzen, aber nachdem ich meine Magisterarbeit über die Entstehung der Kreuzzugsbewegung verfasst habe, muss ich einschreiten.

Ein Kreuzzug ist ein bewaffneter (!) Kampf von Christen gegen Heiden oder Andersgläubige, der von der Kirche, d.h. vom Papst, ausgerufen wird und bei dem die Teilnahme mit der Vergebung der Sünden belohnt wird. Gut, meinetwegen kann man einige Linke tatsächlich als Andersgläubige bezeichnen, da sie nicht unbedingt zu 100% hinter der demokratisch-freiheitlichen Grundordnung Bayerns und der Bundesrepublik Deutschlands stehen, aber der Rest? Die CSU wird sich doch wohl nicht bewaffnen? Was sagt eigentlich Papst Benedikt dazu, wenn nun schon niederbayerische Politiker einfach so Kreuzzüge ausrufen?

Herr Huber, wir befinden uns doch nicht im Krieg. Die Welt hat sich weitergedreht. Dabei haben Sie inhaltlich ja sogar Recht: Stellen Sie die Linkspartei, zeigen Sie, dass die Forderungen der Linkspartei unfinanzierbar sind, dass vieles billigster Populismus ist. Aber gleich einen Kreuzzug ausrufen, nur weil die absolute Mehrheit in Gefahr ist? Nicht, dass die bayerischen Wählerinnen und Wähler noch denken, Sie seien ein Fundamentalist, wenn Sie zum Heiligen Krieg aufrufen…

Ach, Herr Huber, schauen Sie mal: Da war ohenhin schon einer schneller als Sie:

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