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26.8.2008 von Stefan Grabrucker.
Deus lo vult - Gott will es. Dies war der mittellateinische Kampfruf, der 1095 in Clermont aus tausenden Kehlen erklang, nachdem Papst Urban II. dort zum Kreuzzug zur Befreiung Jerusalems aufgerufen hatte. 1099 eroberten die christlichen Heere nach entbehrungsreichen Jahren die Heilige Stadt und richteten dort ein Blutbad unter Juden und Muslimen an.
Nun, 2008, schallt wieder ein Ruf durch die bayerischen Lande. Huber lo vult - der Erwin will es so. Denn gestern rief der CSU-Chef zum Kreuzzug gegen die Linkspartei auf. Lieber Erwin Huber, ein Kreuzzug? Ich weiß, ich nehme es da manchmal zu genau. Aber ein Kreuzzug? Ich will jetzt nicht protzen, aber nachdem ich meine Magisterarbeit über die Entstehung der Kreuzzugsbewegung verfasst habe, muss ich einschreiten.
Ein Kreuzzug ist ein bewaffneter (!) Kampf von Christen gegen Heiden oder Andersgläubige, der von der Kirche, d.h. vom Papst, ausgerufen wird und bei dem die Teilnahme mit der Vergebung der Sünden belohnt wird. Gut, meinetwegen kann man einige Linke tatsächlich als Andersgläubige bezeichnen, da sie nicht unbedingt zu 100% hinter der demokratisch-freiheitlichen Grundordnung Bayerns und der Bundesrepublik Deutschlands stehen, aber der Rest? Die CSU wird sich doch wohl nicht bewaffnen? Was sagt eigentlich Papst Benedikt dazu, wenn nun schon niederbayerische Politiker einfach so Kreuzzüge ausrufen?
Herr Huber, wir befinden uns doch nicht im Krieg. Die Welt hat sich weitergedreht. Dabei haben Sie inhaltlich ja sogar Recht: Stellen Sie die Linkspartei, zeigen Sie, dass die Forderungen der Linkspartei unfinanzierbar sind, dass vieles billigster Populismus ist. Aber gleich einen Kreuzzug ausrufen, nur weil die absolute Mehrheit in Gefahr ist? Nicht, dass die bayerischen Wählerinnen und Wähler noch denken, Sie seien ein Fundamentalist, wenn Sie zum Heiligen Krieg aufrufen…
Ach, Herr Huber, schauen Sie mal: Da war ohenhin schon einer schneller als Sie:
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22.8.2008 von Stefan Grabrucker.
Nein, nein, lassen Sie sich von der Überschrift nicht in die Irre führen. Ich werde heute nicht anprangern, wo der Landtag in den letzten fünf Jahren überall geschlafen hat. Heute geht es um Dummheit - wieder einmal, aber sie taucht halt auch immer wieder auf.
Zum Beispiel beim Lesen der heutigen Ausgabe des Münchner Merkurs. Unter dem Titel “Hier schläft das Parlament” findet sich ein launiger Bericht über eine Wohngebäude für Landtagsabgeordnete, die an Sitzungstagen teilweise in München übernachten. Der Bericht gab mir viel zu denken: Es würde mich nämlich schon interessieren, welche beiden Abgeordneten sich in aller Früh gemeinsam aus einer Einzelwohnung schlichen oder wer es war, der des Nachts Weihnachtslieder ins Telefon singt. Leider werden diese Fragen nicht beantwortet.
Viel offener hingegen der CSU-Mann Christian Meißner. Stolz lässt er sich in seiner Wohnung fotografieren, am Schrank ein Bayernschal, auf dem Regal ein Fußball in Weiß-blau und an der Wand eine riesige Südstaatenflagge. Ja, ja, richtig, die kennen Sie aus Filmen über den Sezessionskrieg oder den Ku-Klux-Klan. Der Text auf der Fahne wird vom Münchner Merkur freundlich übersetzt - der Süden wird erstarken, steht in dem Artikel. Tatsächlich steht dort, der Süden wird sich noch einmal erheben. Denn darum geht es denjenigen, die diese Fahne eigentlich zeigen: um das Wiedererstarken der Sklavenhaltergesellschaft der Südstaaten. Diese Flagge ist Symbol des Rassismus und wird gerade in den USA, aber auch von vielen deutschen Neonazis bewusst so verwendet.
Ich bin mir sicher, dass CSU-Mann Meißner keine Ahnung hat, welches Symbol er in seiner Wohnung hängen hat. Wahrscheinlich fand er den Spruch mit dem Süden auch noch witzig. Darum geht mein Blog heute ja nicht über Rechtsradikalismus, sondern “nur” über Dummheit. Wobei, das zweite ist ja Voraussetzung für ersteres…
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21.8.2008 von Stefan Grabrucker.
Ist es nicht herrlich? Es ist Sommer. Die Sonne scheint. Und wir leben in Bayern. B wie Bayern. Oder B wie Beckstein.
Ist es nicht herrlich? Es ist bald Landtagswahl - und die CSU plakatiert Brezn und Sommerbilder. Schönes Bayern, in der Tat. Ob das allerdings das Verdienst der CSU ist, oder nicht doch vielmehr an den Bayern liegt, die ihre Heimat lieben, sei dahingestellt. Denn die CSU ist nicht Bayern. Grundsätzlich sehe ich ja Bilder meiner bayerischen Heimat sehr gerne, aber reicht das für eine Wahl? Das Bundesverfassungsgericht hat in einem Urteil festgestellt, dass Parteien so etwas wie Wahlvorbereitungsorganisationen sind, weil sie das notwendige Personal stellen, inhaltliche Angebote machen und Meinungen bilden. Das bedingt aber, dass man mehr als Landschaften und Köpfe zeigt, denn die Bürgerinnen und Bürger sollen eine echte programmatische Wahl haben. Eine Auswahl.
Bayern wird auch nach der Wahl so schön und lebenswert bleiben, wie es derzeit ist. Egal, wer regiert. Naja, obwohl… wer zerstört denn das wunderbare Isental? Wie dem auch sei, am 28.09. wählen Sie keine Landschaft und keine Brezn, sondern Sie wählen politische Inhalte. In der Politik braucht es mehr als emotionale Bilder, es braucht Konzepte für die Zukunft und Verlässlichkeit. Auch ich will ein starkes Bayern und auch ich bin stolz auf Bayern. Deshalb wähle ich jedoch nicht CSU. Warum auch?
Aber genug philosophiert. Es wird Zeit für eine Butterbrezn. B wie Brezn. Oder B wie Bayern. Oder B wie Beckstein. Oder B wie blabla…
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18.8.2008 von Stefan Grabrucker.
Sie alle kennen diese kleinen Eier, in denen eine von leckerer Schokolade ummantelte Überraschung steckt. Ich zumindest bin mit den Überraschungseiern aufgewachsen und auch meine Kinder freuen sich ab und zu über Spiel, Spaß und Schokolade.
In der Politik haben Überraschungseier meiner Meinung nach aber nichts verloren. Schließlich sollte jeder wissen, wen und was er wählt - es kann nicht sein, dass erst nach einer Wahl die hübsche Hülle geöffnet wird und es zu Überraschungen kommt. Oder gar nicht das im Politiker ist, was er vorher versprochen hat.
Lies man den heutigen Erdinger Anzeiger, so findet man gleich zwei dicke Überraschungseier. In Wartenberg hat der CSU-Gemeinderat Christian Pröbst erfolgreich durchgesetzt, dass über ein Plakat gegen den Bau der 3. Startbahn in nichtöffentlicher Sitzung debattiert wird. Denn, so CSU-Mann Pröbst, sonst “müssen sich die Räte outen, die für die Bahn sind.” Aha. Das wäre ja auch noch schöner, wenn ein vom Volk gewählter Vertreter den Menschen, die ihn für sechs Jahre beauftragt haben, in ihrem Namen zu sprechen und Entscheidungen zu treffen, sagen würde, welche Standpunkte er einnimmt. Wo kämen wir denn hin, wenn man plötzlich wüsste, wofür Politiker stehen. Ein Glück, dass es Menschen wie Herrn Pröbst gibt, die das zu verhindern wissen. Gewählt wurde er wohl nach dem Prinzip Überraschungsei. Nur in jedem siebten Gemeinderat steckt eine tolle Idee.
Das zweite Ei haben wieder einmal die programmfreien Wähler gelegt. Deren Landesvorsitzender Aiwanger hat bei einer Pressekonferenz vor zwei Tagen gefordert, die Stromkonzerne zu “zerschlagen”. Eine Vokabel, die eher dem Wortschatz der Linken entspricht. Jedenfalls hat nun der stellvertretende FW-Landesvorsitzende Michael Piazolo nachgelegt. Eine solche Forderung entspreche weder den Wertvorstellungen der Programmfreien, noch deren wirtschaftspolitischen Ansätzen. Was nun? Auch hier gilt das Prinzip Überraschungsei. Wer die Freien Wähler wählt, erfährt erst nach dem 28. September, worauf er sich eingelassen hat. Denn die programmatischen Leitlinien - ein echtes Wahlprogramm sucht man vergebens - sind unscharf und wenig konkret. Sowohl als auch dürften die häufigsten Wörter sein, um ja alle Flügel abdecken zu können. Denn wer weiß schon, ob nicht die Stimme, die man in Erding einem Herrn Jobst gibt, am Ende nicht einer Frau Pauli zu Gute kommt. Wer kann schon sagen, ob nicht seine Stimme dazu beiträgt, Ehen auf sieben Jahre zu begrenzen? Wer einen erklärten Atomkraftgegner bei den Programmfreien wählt, muss am Ende vielleicht damit leben, dass ein Atomkraftbefürworter den Sitz im Landtag einnimmt.
Bei einer echten Partei wird das nicht passieren, denn alle Mitglieder unterstützen ein konkretes Programm und vertreten dieselben Werte. Die CSU-Mehrheit zu brechen, um dann mit eben dieser CSU zu koalieren, ist noch kein Programm für Bayern.
Wollen wir hoffen, dass in Zukunft die Überraschungseier dort bleiben, wo sie hingehören: nämlich im Supermarktregal oder in unseren Bäuchen.
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15.8.2008 von Stefan Grabrucker.
Frau Ypsilanti hat es also (zumindest vorerst) geschafft - sie hat freie Hand für eine Zusammenarbeit mit der Linken und sie hat die Unterstützung ihres eigenen SPD-Landesverbandes und ihrer Fraktion. Denn auch wenn Herr Beck, er ist wohl so etwas wie der Bundeschef der SPD, meinte, man würde nicht zwei Mal mit dem Kopf gegen dieselbe Wand rennen, die SPD macht es möglich. Wieder einmal geirrt, Herr Beck. Immerhin konnte die bayerische SPD durchsetzen, dass der Sonderparteitag in Hessen erst nach der bayerischen Landtagswahl stattfinden wird, nicht, dass das Vorgehen von Frau Ypsilanti noch Stimmen kostet. Offensichtlich denkt der bayerische SPD-Spitzenkandidat Herr Maget, wir Bayern sind nicht in der Lage, Zusammenhänge zu begreifen. Aber so weit reicht unser Denkvermögen dann doch noch, dass wir erahnen, dass es in Hessen einen Pakt geben wird, unabhängig davon, ob der Sonderparteitag vor oder nach der Wahl bei uns ist.
Viel interessanter als das Verhalten der wortbrüchigen SPD ist allerdings das einer anderen Partei, die sich recht still verhält, aber offensichtlich keinerlei Hemmungen hat, mit der Linkspartei zu koalieren. Nur zur Erinnerung: die Linke ist die direkte Nachfolgeorganisation der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands SED, der Partei, die die Diktatur der DDR trug. Bereichert wurde die ehemalige SED noch durch linke Gewerkschafter, einstige (?) Kommunisten und DDR-Nostalgiker. Bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichtes hat der bayerische Innenminister Joachim Hermann explizit vor der Linken gewarnt.
Aber zurück zum Thema: Die andere Partei, außer der SPD, die keinerlei Berührungsängste zur Linken zeigt, sind Bündnis90/Die Grünen. Während man in Hamburg gemeinsame Sache mit der CDU macht, scheint es in Hessen kein Problem zu sein, für die Macht auch ein Bündnis mit den Linken einzugehen. Die programmatische Flexibilität ist schon erstaunlich. Noch erstaunlicher allerdings ist, dass gerade die Grünen die Linke hoffähig machen helfen. Gut, aus der Entwicklungsgeschichte der Grünen in der BRD mag erklärbar sein, dass es eine gewisse Nähe gibt. Und der konservative Teil der Partei hat sich ja in den 80er Jahren abgespalten und die ödp gegründet. Aber dass die ehemaligen Mitglieder von Bündnis 90, die gegen die SED-Diktatur gekämpft haben, die sich für Freiheit und Demokratie stark gemacht haben, die ihr persönliches Wohlergehen dem Kampf gegen die Unterdrückung untergeordnet haben, dass diese Menschen nun bereit sind, sich mit den SED-Nachfolgern zu verbinden, ist für mich nicht nachvollziehbar.
Politisch ist Hessen überall. Hoffentlich nicht auch in Bayern.
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12.8.2008 von Stefan Grabrucker.
“Geschröpft und unter Verdacht”, so lautet heute eine Überschrift im Münchner Merkur. Beschrieben werden darin die Ergebnisse einer forsa-Umfrage zur Situation von Vätern und Müttern in Deutschland. So haben Eltern überwiegend das Gefühl, dass sie unter Generalverdacht gestellt würden, nachdem in den letzten Monaten immer wieder Fälle von Kindesmisshandlungen durch die Medien gingen. Diese Beobachtung ist natürlich richtig, denn für die Medien sind Fälle des Versagens der Erziehunsgberechtigten interessanter als normales Familienleben. Bei einer Sendung wie der Supernanny kann man sich an der Unfähigkeit anderer ergötzen (und sich denken, so schlecht mache ich es gar nicht), aber wer würde sich ansehen wollen, wie ich meinen Kindern das Buch vom Grüffelo vorlese? (Obwohl ich sogar mit verstellten Stimmen lese!) Aber immerhin führt dieser Generalverdacht gegen Eltern vielleicht dazu, dass die Gesellschaft insgesamt sensibler wird und Fälle von Misshandlung oder Verwahrlosung früher aufgedeckt werden können.
Gravierender ist ein weiterer Befund der Studie. Denn mehr als 75% der Eltern fühlen sich finanziell benachteiligt. Ist dies so? Die Redakteurin der Zeitschrift “Eltern”, die die Studie gestern vorstellte, konnte dieses Gefühl der Benachteiligung kaum nachvollziehen - vermutlich ist sie kinderlos. Sie warf Eltern vor, sich innerhalb ihrer sozialen Schicht mit Kinderlosen zu vergleichen. Ja, mit wem denn sonst? Und im Vergleich mit Paaren ohne Kindern ist es nun einmal so, dass sich das Familieneinkommen auf mehr Köpfe aufteilt und meist nur ein Elternteil außerhäusig und bezahlt arbeitet. Einen zweiten Fehler begeht die Redakteurin, wenn sie verkündet, der Staat gebe jährlich 189 Milliarden Euro für Familien aus, z.B. für das Ehegattensplitting oder für Kindergeld. Hallo, Frau Redakteurin? Ehegattensplitting ist unabhängig von Kindern und das Kindergeld ist keine Sozialleistung des Staates, sondern eine in der Verfassung festgeschriebene Rückerstattung von Steuergeldern. Dies unter Familienförderung zu verbuchen ist schon gewagt, vermutlich käme niemand auf die Idee, die steuerliche Rückerstattung von Werbungskosten bei einem Bäcker als staatliche Förderung des Bäckerhandwerks zu bezeichnen. Nein, in Wirklichkeit sind die Familienleistungen sehr viel geringer und gleichen bei weitem nicht die höheren Kosten für Familien aus.
Die Einführung des Büchergeldes (das auf Grund einer Popularklage der ödp letztlich wieder zurückgenommen wurde), die Einführung von Studiengebühren, die größte Steuererhöhung in der Geschichte der BRD durch die Anhebung der Mehrwertsteuer belastet Familien über Gebühr - ohne Entlastung an anderer Stelle. Während die Diäten der bayerischen Landtagsabgeordneten sich automatisch Jahr für Jahr an die gestiegenen Lebenshaltungskosten anpassen, gibt es einen solchen Automatismus für das Kindergeld leider nicht. Ganz im Gegenteil, durch die sinkende Geburtenrate und die Verkürzung der Bezugsbrechtigung nur noch bis zum 25. Lebensjahr, spart der Staat sogar noch an den Familien.
Kein Wunder also, wenn Familien sich benachteiligt fühlen. Denn während die Kinderkosten individualisiert werden, d.h. Mütter und Väter diese tragen, wird der Nutzen einer glücklichen Kindheit und einer gelungenen Erziehung sozialisiert, d.h. die gesamte Gesellschaft profitiert davon. Es ist an der Zeit, die Leistung von Müttern und Vätern endlich entsprechend anzuerkennen - durch Einführung eines echten Erziehungsgehalts, durch eine Änderung des Rentensystems, durch Vergünstigungen und durch Rücksichtnahme und Toleranz gegenüber Kindern. Solange man in der Zeitung lesen muss, dass ein Bolzplatz geschlossen werden muss, weil Anwohner sich wegen der spielenden Kinder belästigt fühlen, solange werden sich Eltern nicht gebührend geschätzt fühlen.
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8.8.2008 von Stefan Grabrucker.
Ich gebe zu, die Frage, ob Macht dumm macht, ist eher philosophischer Natur. Aber diese Frage beschäftigt mich nun seit einigen Tagen. Macht Macht dumm?
Auslöser war das Verhalten des Grünen-Mitglieds Frank Bsirske, Vorsitzender von verdi. Sie wissen schon, der Mann, der sich nebst Gattin von der Lufthansa kostenlos in die Südsee fliegen ließ, während die Mitglieder seiner Gewerkschaft darum kämpften, mehr Lohn zu erhalten, um die Inflationsrate ausgleichen zu können. Dieser Bsirske also, der durch die Zufälligkeiten der Gewerkschaftsbewegung an die Spitze von verdi gespült wurde und seitdem immer wieder das maßlose Verhalten der Manager gerügt hatte, der immer wieder öffentlich kritisiert hatte, dass Managergehälter pervers hoch seien. Er also sitzt im Aufsichtsrat der Lufthansa - verpflichtet, dort zum Wohle des Unternehmens zu arbeiten - und ordnet gleichzeitig einen Streik an, dem er aber nicht beiwohnt, weil er sich lieber vom bestreikten Unternehmen einladen lässt. Stellt sich da nicht die Frage, ob Macht dumm macht?
Ich will Ihnen aber noch ein anderes Beispiel geben. Wieder ein Politiker der Grünen, zufälligerweise. Vielleicht erinnern Sie sich noch an Michael Vesper, er war mal Minister in Nordrhein-Westfalen. Jetzt arbeitet er für den Deutschen Sportbund und hat in dieser Funktion seine Weisheit unter Beweis gestellt. Denn wie meinte er so schön, als er auf die Zensur des Internets durch die chinesischen Behörden angesprochen wurde? Das sei doch ganz normal, in Deutschland würden schließlich auch Seiten von Rechtsradikalen gesperrt werden. Hm, mal kurz nachdenken. Die Rechtsradikalen rufen zum Sturz der freiheitlich-demokratischen Grundordnung auf, verneinen Menschenrechte und nutzen ihre Seiten für rassistische Propaganda. Da muss man dann schon verstehen, wenn in China die Seiten von amnesty international oder der BBC gesperrt werden. Oder gibt es da doch einen kleinen Unterschied? Macht Macht dumm, Herr Vesper?
Wo wir gerade bei den Olympischen Spielen in China sind. Der Marathonlauf beginnt - wenn er denn wegen des Smogs überhaupt stattfindet - am Platz des Himmlischen Friedens. Ja, richtig. Das ist der Platz, an dem 1989 tausende chinesische Studenten für Freiheit und Menschenrechte demonstrierten und von den Panzern der chinesischen Armee niedergewalzt wurden. Aber alles nicht so schlimm, findet zumindest Thomas Bach, deutsches Mitglied im IOC (und kein Grüner). Schließlich findet das Pokalfinale des Deutschen Fußballbundes auch im Berliner Olympiastadion statt - 1936 Kulisse der olympischen Propagandaspiele der Nationalsozialisten. Wir denken auch hier noch einmal kurz nach, gell Herr Bach. In Deutschland herrscht glücklicherweise kein Führer und keine NSDAP mehr, sondern das Land hat sich zu einer gefestigten Demokratie entwickelt. Und in China? Huch, tatsächlich, dort regiert ja nach wie vor die Clique, die damals den Armeeeinsatz befohlen hat… Naja, halb so wild, oder Herr Bach?
Macht Macht dumm? Ich weiß es immer noch nicht… aber ich freue mich auf Ihre Meinung und Ihre Beispiele.
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7.8.2008 von Stefan Grabrucker.
Ich bin ein unanständiger Mensch, es muss einfach einmal gesagt werden. So Leid es mir dann irgendwie doch tut. Aber wenn unser Ministerpräsident das sagt, dann muss es stimmen. Ja, ja, zuerst meinte unser Beckstein nur, einen “anständigen Bayern” würde es bei dem Gedanken an eine Koalitionsregierung schütteln. Gut, wenn die Linke beteiligt wäre… Aber nun hat der Ministerpräsident sogar noch draufgelegt: “Anständige Menschen wählen CSU”. Puh. Das trifft mich. Sie auch?
Dabei war ich eigentlich nicht immer so unanständig wie heute. Früher, 1994, als ich zum ersten Mal wählen durfte, da wäre ich fast anständig geworden. Aber nur fast, denn unanständigerweise hatte ich mir dann doch noch die Programme aller Parteien zuschicken lassen und diese dann auch gelesen. Und siehe da, das Angebot der ödp war so dermaßen unanständig, ich konnte einfach nicht anders…
Tja, und seitdem gehöre ich zu den unanständigen Menschen - und das auch noch in aller Öffentlichkeit. Ich hoffe, Sie verzeihen. Wie? Sie waren bisher immer anständig? Hmm, vertrauen Sie mir, so ein bisschen Unanständigkeit kann wirklich Spaß machen. Versuchen Sie es doch einmal…
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4.8.2008 von Stefan Grabrucker.
Da strahlt er wieder, der Erwin Huber. Mitten in die Kameras, schließlich ist ihm wieder ein absoluter Coup gelungen. Ganz Deutschland diskutiert über seinen Vorschlag, Atomkraftwerke ruhig noch 60 Jahre am Netz zu lassen - schließlich seien deutsche Reaktoren viel sicherer als andere. Bei der Gelegenheit, wenn Sie im Urlaub einen russischen, einen französischen, schwedischen, japanischen oder US-amerikanischen Kernphysiker oder Techniker treffen, fragen Sie mal nach. Sie werden sehen, jede Nation verfügt über die sichersten Reaktoren der Welt…
Aber zurück zu Erwin Huber. Ist die Atomkraft denn angesichts des Klimawandels und der Energieknappheit nicht wirklich eine Alternative? Auf den ersten Blick könnte man auf die Propaganda der Kraftwerksbetreiber und ihres verlängerten politischen Arms tatsächlich hereinfallen. Aber beschäftigt man sich näher mit dem Problem, wird klar, dass es nur eine Antwort geben kann: NEIN, Atomkraft ist kein Ausweg, sondern ein Irrweg.
Berücksichtigt man alle Produktions- und Abbauprozesse, dann ist auch Atomkraft nicht CO2-frei. Beim Abbau des Urans werden ganze Landstriche verstrahlt und unbewohnbar, vom Leid der Arbeiter nicht zu sprechen. Ganz abgesehen davon, dass auch Uran endlich ist und bei gleich bleibendem Verbrauch vielleicht noch 60 Jahre vorrätig ist. Hinzu kommen die Gefahren eines Unfalls - die Störfälle in den letzten Monaten in Japan, Schweden, Deutschland und Frankreich sollten uns Warnung genug sein. Ebenso ist die Frage der Endlagerung ungeklärt. Denn die Abfallprodukte strahlen mehrere 100.000 Jahre. Zeigen Sie mir einen Ort auf dieser Welt, der sich in den letzten 100.000 Jahren nicht geologisch verändert hat, so dass dort tatsächlich eine sichere Lagerung möglich gewesen wäre.
Viel mehr noch beunruhigt mich aber eine wissenschaftliche Studie, die auch Erwin Huber bekannt ist. Es wurde herausgefunden - und das Ergebnis und das wissenschaftliche Vorgehen wird von niemanden kritisiert! -, dass in der Nähe von Atomkraftwerken in Deutschland die Leukämierate bei Kindern um ein Vielfaches höher ist als in Vergleichsgebieten ohne Atomkraftwerk. Ja, Sie haben richtig gelesen. Tatsächlich wurde eine ungewöhnliche Häufung von Krebsfällen in der Nähe von Reaktoren festgestellt. Nur, passiert ist seitdem nichts.
Meines Wissens ist es eine der höchsten Aufgaben eines Gemeinwesens, also des Staates, die Mitglieder der Gemeinschaft zu schützen. Gerade die schwächsten. Die einzige Konsequenz aus der Studie müsste sein, alle Atomreaktoren sofort abzuschalten - und erst wieder ans Netz zu lassen, wenn zweifelsfrei geklärt ist, dass die Häufung der Krebsfälle reiner Zufall ist. Und bis es soweit ist, wäre für alle sichtbar, dass über Energieeinsparung, Energieeffizienz und den Ausbau regenerativer Energieträger Atomkraft überflüssig gemacht werden kann. Aber darum geht es Herrn Huber wohl gar nicht.
Hauptsache, man kann strahlen, weil man wieder im Gespräch ist, gell Erwin? Ach, nur nebenbei, wofür hat die CSU in den letzten fünf Jahren eigentlich 600.000,- € von e.on bekommen?
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1.8.2008 von Stefan Grabrucker.
Sie wissen nicht, was Planespotting ist? Hm, es scheint sich um eine Art Hobby zu handeln - nämlich das Beobachten von Flugzeugen. Und weil man hier im Landkreis Erding Flugzeuge besonders oft und nah sieht, verschlägt es den ein oder anderen Spotter in unsere Gegend. Zum Beispiel die Landtagskandidatin der FDP, die sich heute im Erdinger Anzeiger mit folgenden Worten zitieren lässt: “Ich finds schön, wenn ich am Sonntag auf der Terrasse sitze, und da fliegen die Flieger drüber.” Nun ja, jeder braucht ein Hobby.
Vielleicht kann man vor diesem Hintergrund auch verstehen, wenn die FDP sich wieder einmal für den Bau der 3. Startbahn stark macht. Aber, und das sollte die Kandidatin wissen, nicht jeder genießt es, unter einem Lärmteppich zu leben. Ich weiß, was es für ein kleines Kind bedeutet, wenn plötzlich ein Flugzeug vorbeidonnert, was es für Eltern bedeutet, wenn ihre Kinder unter Konzentrations- oder Schlafstörungen leiden. Die 3. Startbahn bedeutet mehr Flugverkehr, eine stärkere Schädigung des Klimas, mehr Verkehr auch auf der Straße, Zuzug in die Region und damit verbunden Flächenversiegelung und einen hohen Bedarf an Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur, in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen, den die Kommunen stemmen müssen.
Laut der FDP-Kandidatin dürfte sich nur der beschweren, der schon hier lebte, bevor der Flughafen gebaut wurde. Gut. Ich darf also. Und mit mir dürfen sich tausende Mitbürgerinnen und Mitbürger beschweren, die im Eittingermoos von der Absiedlung betroffen sind, die in Berglern von ununterbrochenem Lärm heimgesucht werden oder die Attaching verlassen müssen, weil gesundes Leben dort kaum mehr möglich sein wird. Am 06. September werden wir alle uns wieder Gehör verschaffen, bei der Demonstration am Münchner Marienplatz. Wir werden für unsere Heimat kämpfen - während andere zu Hause auf der Terrasse sitzen und in den Himmel schauen.
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